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Gasleitungen von Russland nach Ost- und Westeuropa

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Russland: Wirtschaftsstruktur und Wirtschaftslage

Russland ist im Jahr 2007 mit einem realen Wachstum von 8,1 Prozent zur elftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen. 2006 lag das Wachstum bei 6,7 Prozent. Das Brutto-Inlands-Produkt (BIP) des Landes betrug 2007 umgerechnet etwa 942 Milliarden Euro und entspricht damit in etwa der Summe der Bruttoinlandsprodukte der deutschen Bundesländer Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Die Inflation in Russland stellt zunehmend ein gravierendes Problem für die Entwicklung des Landes dar; sie lag im Jahr 2007 bei 11,9 Prozent, gegenüber 9 Prozent in 2006.

Bestimmende Wachstumsfaktoren bilden eindeutig die Energierohstoffexporte, des Weiteren ein kräftiger Anstieg des privaten Konsums durch die verbesserte Einkommenssituation großer Teile der Bevölkerung sowie hohe Investitionen in einigen Wirtschaftssektoren.

Das Land verfügt über etwas mehr als ein Drittel der weltweiten Gasreserven, rund 6 Prozent der Welterdölreserven und über die zweitgrößten Steinkohlereserven der Erde. Aber es darf nicht vergessen werden, dass die Förderung und Erschließung dieser Energiereserven auf Grund geografischer und klimatischer Bedingungen zunehmend technisch komplizierter und somit kostenintensiver wird.

Insgesamt ist das russische Wirtschaftssystem zwar marktwirtschaftlich orientiert, jedoch verstärkte der russische Staat seine Kontrolle über strategisch wichtige Bereiche der Wirtschaft, wie zum Beispiel Energie und Rohstoffe, Flugzeug- und Fahrzeugbau sowie Informations- und Kommunikationstechnologien.

Russland beschränkt seit kurzem den Zugang ausländischer Investoren in wichtige, als strategisch definierte Branchen. Die Duma, das russische Parlament, hat im April 2008 ein entsprechendes Gesetz in dritter und damit letzter Lesung verabschiedet. Gegenüber der ursprünglich geplanten Fassung wurden die Regelungen sogar noch verschärft. Das könnte das Klima für ausländische Investitionen in Russland deutlich verschlechtern. Für bereits vollzogene Übernahmen in Russland besteht dabei eine nachträgliche Meldepflicht.

Der Staat kontrolliert Schlüsselunternehmen im Energie- und Rohstoffbereich. Die Unternehmen RosNeft (Erdöl) und GazProm (Erdgas), welche sich mehrheitlich in Staatseigentum befinden, beherrschen den russischen Energiemarkt . So verschaffte sich GazProm das staatliche Gastransit- und Gasexportmonopol, indem es eine Mehrheitsbeteiligung am bisher ausschließlich aus ausländischen Firmen bestehenden Konsortium Sachalin II erwarb und von dem britisch-russischen Unternehmen TNK-BP die Gaslagerstätte Kowykta hinzukaufte. Nach der Reform der russischen Stromwirtschaft wird GazProm bis zu knapp einem Drittel der Stromerzeugung kontrollieren. Der staatliche Erdölproduzent „Rosneft“ hat 2007 alle wesentlichen Anteile des ehemaligen JUKOS-Konzerns im Bereich der Erdölförderung und -verarbeitung erworben. Wie das Erdgasnetz ist auch das Ölpipeline-Netz staatlich kontrolliert.

In Folge der hohen Rohölpreise weist das russische Staatsbudget seit 2000 Überschüsse aus. Einen wichtigen Schritt zur Erhaltung der makroökonomischen Stabilität und der Haushaltsdisziplin bildete der Anfang 2004 errichtete Stabilisierungsfonds. In diesen Fonds fließt ein Teil der Steuereinnahmen und Zölle, welche aus der Produktion und dem Export von Öl rühren. Ab 2008 sollen auch entsprechende Einnahmen aus dem Erdgasexport einbezogen werden. Indem umfangreiche Finanzmittel im Fonds stillgelegt werden, leistet er einen Beitrag zur Eindämmung der stark angestiegenen Inflation. Nachdem das Volumen des Fonds stark gewachsen ist, wurde bereits ein Teil der Mittel für die Rückzahlung internationaler Schulden genutzt. Dadurch konnte die Auslandsverschuldung Russlands bis auf fast 5% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) gesenkt werden.

Im Jahr 2005 war der Überschuss im russischen Staatshaushalt um drei Prozentpunkte auf 7,5 % des BIP gestiegen. 2006 sorgten die hohen Ölpreise bei einer moderaten Ausgabenpolitik dann für einen Rekordüberschuss von 8,5 % des Bruttoinlandsprodukts. Im Wahljahr 2007 wurden die Staatsausgaben um fast ein Viertel erhöht. Als Folge sank der Überschuss auf 5,5 % des BIP. Für die Jahre 2008 und 2009 prognostiziert die OECD eine weitere Verringerung des Überschusses.

Im Jahr 2006 stiegen die ausländischen Investitionen gegenüber dem vorangegangenen Jahr um rund 13,5% auf umgerechnet insgesamt ca. 130 Milliarden Euro. Sie werden dabei zunehmend mit Krediten aus dem Ausland finanziert. Der größte Anteil der Investitionen floss in den Bereich Verkehr und Kommunikation mit 26%, gefolgt von der Förderung mineralischer Rohstoffe (einschließlich Kohlenwasserstoffen) mit 19,1%, der Fertigungsindustrie mit 17,5%, Immobilien und Finanzdienstleistungen mit 10,8% sowie Erzeugung und Verteilung von Elektrizität, Gas und Wasser mit 7%. Und die vorliegenden Zahlen für das Jahr 2007 deuten auf einen weiteren deutlichen Anstieg der ausländischen Investitionen hin.   

Russland stellt für ausländische Investoren durchaus einen interessanten Standort dar, auch wenn die rechtlichen Rahmenbedingungen weiterhin als Verbesserungsbedürftig gelten. Auch die Bürokratie auf allen Ebenen der Administrationen sowie die hohe Korruptionsanfälligkeit bilden große Hemmnisse für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung des Landes. 

Bis zu Beginn der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise galt die russische Volkswirtschaft als eine der stabilsten der Erde. Mitte 2008 verfügte das Land über Devisenvorräte von rund 600 Mrd. US-$ und die Wirtschaft des Landes verzeichnete jahrelang prozentuale Zuwachsraten in jeweils zweistelliger Höhe.

Spätestens mit Beginn der weltweiten Krise im Sommer 2008 zeigte sich jedoch, dass die Volkswirtschaft „auf tönernen Füßen“ stand. Es wurde seit dem Rubelcrash von 1998 versäumt, die immensen Deviseneinnahmen aus den (Energie)rohstoffexporten für die Modernisierung der inländischen verarbeitenden Industrien zu verwenden.

Binnen weniger Monate sanken die Devisenvorräte um rund ein Sechstel und die russischen Aktienkurse brachen um fast 80 % ein. Und die drastisch gesunkenen Weltmarktpreise für Energierohstoffe lassen einen starken Wirtschaftsabschwung für 2009 erwarten. Für deutsche Exporteure verschlechtern sich auf jeden Fall die Absatzchancen auf dem russischen Markt. Dieses gilt vornehmlich für den Konsumgütersektor.    

Das Bruttoinlandsprodukte (BIP) Russlands sank im Zuge der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise im Jahr 2009 um -8,7 Prozent. Der prozentuale Rückgang lag dabei noch höher als 1998 (= -5,3%), dem Jahr der Rubelkrise. Ein Grund für den Umfang des Wirtschaftsrückganges 2008/2009 lag in dem weltweit drastisch sinkenden Rohölpreis, der im Jahr 2009 durchschnittlich bei 61,8 US-Dollar pro Barrel lag.

Russlands BIP wird im Laufe des Jahres 2010 den Weltbank-Prognosen zu Folge um 3,2 Prozent wachsen, unter Zugrundelegung eines durchschnittlichen Ölpreises von 76 US-$ pro Barrel. Im Jahre 2011 soll sich dann das BIP-Wachstumstempo auf drei Prozent reduzieren.

 

 

 

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